{"id":1828,"date":"2023-12-14T10:25:48","date_gmt":"2023-12-14T09:25:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.infectnet.org\/web\/?p=1828"},"modified":"2024-03-22T13:38:50","modified_gmt":"2024-03-22T12:38:50","slug":"wissenschaftsbarometer-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infectnet.org\/en\/archive\/1828","title":{"rendered":"Wissenschaftsbarometer 2023"},"content":{"rendered":"<p><span lang=\"DE\" style=\"font-size:11.0pt;line-height:107%;font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif;mso-ascii-theme-font:minor-latin;mso-fareast-font-family:Calibri;mso-fareast-theme-font:minor-latin;mso-hansi-theme-font:minor-latin;mso-bidi-font-family:&quot;Times New Roman&quot;;mso-bidi-theme-font:minor-bidi;mso-ansi-language:DE;mso-fareast-language:EN-US;mso-bidi-language:AR-SA\"><\/span>von <em>Ren\u00e9 Lesnik<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftskommunikation wird auch f\u00fcr die Forschenden immer wichtiger. Aber was kommt in der Bev\u00f6lkerung eigentlich davon an und wie \u00e4ndert sich die \u00f6ffentliche Wahrnehmung von Wissenschaft und wissenschaftlichen Themen? Dazu f\u00fchrt <a href=\"https:\/\/www.wissenschaft-im-dialog.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Wissenschaft im Dialog<\/a> mit seinen Partnern der<a href=\"https:\/\/www.carl-zeiss-stiftung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\"> Carl-Zeiss-Stiftung<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.fraunhofer.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Fraunhofer-Gesellschaft<\/a> regelm\u00e4\u00dfig repr\u00e4sentative Umfragen in der deutschen Bev\u00f6lkerung durch. Die Ergebnisse werden im sogenannten Wissenschaftsbarometer ver\u00f6ffentlicht. Am 5. Dezember wurde die Ausgabe f\u00fcr 2023 ver\u00f6ffentlicht, die auf der <a href=\"https:\/\/www.wissenschaft-im-dialog.de\/projekte\/wissenschaftsbarometer\/wissenschaftsbarometer-2023\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Projektseite<\/a> ausf\u00fchrlich dargestellt wird. Im Folgenden sollen hier die f\u00fcr Infektionsforscherinnen wichtigsten Erkenntnisse genauer betrachtet werden:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Das Vertrauen in Wissenschaft und Forschung ist leicht gesunken.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Es gibt ein gro\u00dfes Interesse an den Lebenswissenschaften.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Es wird mehr Kommunikation aus der Forschung heraus erwartet.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Wissenschaft darf sich in die Politik einmischen.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Wahrnehmung von KI ist ambivalent.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">1. Das Vertrauen in Wissenschaft und Forschung ist leicht gesunken<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/WIBA_2023_Vertrauen_combi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1889\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auszug der Umfrageergebnisse zum Vertrauen in die Wissenschaft in Deutschland. Quelle: Wissenschaft im Dialog\/Kantar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das allgemeine Vertrauen in Wissenschaft und Forschung ist mit 56 Prozent wieder auf das Niveau vor der Coronapandemie gesunken, gleichzeitig ist der Anteil derer, die gar kein Wissenschaftsvertrauen haben, leicht auf 13 Prozent gestiegen. Dabei ist das Vertrauen Menschen mit einem hohen Bildungsgrad am h\u00f6chsten, w\u00e4hrend es mit niedrigerem Bildungsgrad sinkt. \u00c4hnliches gilt auch f\u00fcr die Altersgruppen: junge Menschen vertrauen mehr in die Wissenschaft als \u00e4ltere (nicht gezeigt).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vertrauen in Wissenschaftler:innen und Forschende profitiert zu zwei Drittel vor allem von deren Expertise und der standardisierten Arbeitsweise. Dies entspricht in etwa den Werten aus den Vorjahren. Dagegen sind nur 46 Prozent \u00fcberzeugt davon, dass Wissenschaftler:innen im Sinne der \u00d6ffentlichkeit forschen. Als Hauptargument, warum man Wissenschaftler:innen misstrauen sollte, geben 54 Prozent die starke Abh\u00e4ngigkeit von ihren Geldgebern an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr Forschende kann dies bedeuten, bei ihrer Kommunikation mehr auf die gesellschaftliche Relevanz ihrer Themen sowie auf die Transparenz ihrer F\u00f6rdermittel einzugehen. F\u00fcr Kommunizierende stellt sich zudem die Frage, an welche Zielgruppen sie sich richten wollen und wie attraktive Formate f\u00fcr Personen ab 60 und f\u00fcr Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad aussehen k\u00f6nnten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2. Gro\u00dfes Interesse an den Lebenswissenschaften<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/WIBA_2023_Einzelgrafik.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1882\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Umfrageergebnisse zum Interesse an unterschiedlichen Wissenschaftsthemen. Quelle: Wissenschaft im Dialog\/Kantar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Interesse an Themen aus den Lebenswissenschaften ist mit 70 Prozent am h\u00f6chsten und bleibt damit auf einem hohen Niveau. Das Interesse an anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen hat dagegen im Vergleich zu 2019 deutlich abgenommen, was allerdings an einer Umbenennung der Umfrage-Kategorien liegen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Infektionsforscherinnen sollten von der Beliebtheit von biologischen und medizinischen Themen profitieren k\u00f6nnen, wenn sie ihre eigene Forschung sichtbarer machen wollen. Das kann sowohl \u00fcber die traditionelle Medienlandschaft als auch \u00fcber eine individuelle Wissenschaftskommunikation wie die eigenen Webseiten und Social-Media-Kan\u00e4le funktionieren. Es gibt auch zahlreiche interaktive Formate, die wir hier an anderer Stelle noch vorstellen wollen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3. Mehr Kommunikation aus der Forschung heraus erwartet<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/WIBA_2023_Einzelgrafik8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1883\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Umfrageergebnisse zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit von Wissenschaftler:innen. Quelle: Wissenschaft im Dialog\/Kantar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach den Pandemiejahren findet wieder mehr als ein Drittel, n\u00e4mlich 36 Prozent, dass Forschende sich zu wenig bem\u00fchen, die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber ihre Arbeit zu informieren. Dieser Wert war im Jahr 2020 mit 29 Prozent am niedrigsten, lag aber 2017 noch bei 40 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Bedarf an einer ausf\u00fchrlichen medialen Berichterstattung w\u00e4hrend der Coronapandemie hatte daf\u00fcr gesorgt, dass einzelne Expert:innen und ihre Themen sehr sichtbar wurden. Dies bedeutete aber auch einen enormen Aufwand f\u00fcr die Vertreter:innen aus Virologie, Immunologie, Infektiologie, Epidemiologie und Public Health. Das gleiche Level an medialer Pr\u00e4senz wird sicherlich nicht dauerhaft zu halten sein. Dennoch k\u00f6nnte eine regelm\u00e4\u00dfige Informierung der Bev\u00f6lkerung zeigen, dass die Wissenschaft ein echtes Interesse an deren Aufkl\u00e4rung hat. Wenn diese Kommunikation durch eine Vielzahl verschiedener Expert:innen erfolgt und \u00fcber Formate vermittelt wird, die auf diverse Zielgruppen zugeschnitten sind, bleibt der individuelle Aufwand im Rahmen und im Idealfall k\u00f6nnen auch wissenschaftsferne Gruppen erreicht werden. Eine konsequente Pr\u00e4senz weiblicher Expertinnen in der Wissenschaftskommunikation und im \u00d6ffentlichen Diskurs f\u00f6rdert zudem die Sichtbarkeit von Rollenvorbildern und Karrierewegen f\u00fcr Frauen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">4. Wissenschaft darf sich in die Politik einmischen<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/WIBA_2023_Einzelgrafik10.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1884\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Umfrageergebnisee zur Beziehung zwischen Wissenschaft und Politik. Quelle: Wissenschaft im Dialog\/Kantar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>R\u00fcckhalt haben Forschende bei der Einmischung in politische Entscheidungen: Fast drei Viertel der Befragten sprachen sich daf\u00fcr aus, dass sich Expert:innen \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dfern sollten, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse von der Politik missachtet werden. Au\u00dferdem finden mehr als zwei Drittel, dass politische Entscheidungen Ergebnisse aus der Wissenschaft ber\u00fccksichtigen sollten. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dies kann als Auftrag verstanden werden, sich als Expert:in st\u00e4rker am \u00f6ffentlichen und politischen Diskurs zu beteiligen und Stellung zu beziehen. Vielleicht lohnt es sich auch, genauer hinzuschauen, wie Erkenntnisse aus der Wissenschaft ihren Weg in den politischen Entscheidungsprozess find<\/strong>en. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">5. Ambivalente Wahrnehmung von KI<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/WIBA_2023_ChatGPT_combi-1024x512.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1886\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auszug der Umfrageergebnisse zu k\u00fcnstlicher Intelligenz. Quelle: Wissenschaft im Dialog\/Kantar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz nimmt immer mehr Platz in unserem allt\u00e4glichen Leben ein. Auch wenn es darum geht, sich \u00fcber wissenschaftliche Inhalte informieren zu lassen. Immerhin haben 2 Drittel der Befragten schon von ChatGPT geh\u00f6rt. Vorteile werden vor allem darin gesehen, dass Programme wie ChatGPT komplexe Sachverhalte vereinfacht darstellen und Unklarheiten durch Beispiele und direktes Nachfragen beseitigen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch ist man in Deutschland auch skeptisch. Vor allem die Angst vor Falschinformationen und deren Verbreitung bereitet den Menschen Sorge. Aber auch die Unsicherheit dar\u00fcber, ob ein Mensch oder ein Programm als Verfasser hinter einem Text steht und die fehlende menschliche Quellen\u00fcberpr\u00fcfung empfinden ca. 60 Prozent als problematisch (in der Grafik nicht gezeigt).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf Kurz oder Lang werden wir uns mit KI gerade auch in der Informationspolitik auseinandersetzen m\u00fcssen. In einer immer schneller werdenden Informationsgesellschaft wird der Bedarf an attraktiver, individueller und korrekter Wissenschaftskommunikation stetig wachsen und KI-Tools k\u00f6nnen bei der Erstellung von Inhalten viel Zeit und Arbeit sparen. Aber um das Vertrauen in die Wissenschaft aufrecht zu erhalten, ist es erforderlich, klare Angaben zu machen, ob und zu welchen Anteilen Inhalte von Menschen oder KI erstellt worden sind. Dies setzt zudem voraus, dass Benutzende und Konsumierende kontinuierliche dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt werden, was KI aktuell leisten kann und was eben (noch) nicht.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ren\u00e9 Lesnik Wissenschaftskommunikation wird auch f\u00fcr die Forschenden immer wichtiger. 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