{"id":2377,"date":"2024-10-08T09:00:00","date_gmt":"2024-10-08T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.infectnet.org\/?p=2377"},"modified":"2024-10-08T09:00:00","modified_gmt":"2024-10-08T07:00:00","slug":"infect-views-4-fragen-an-die-infektiologin-susann-kummer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infectnet.org\/en\/archive\/2377","title":{"rendered":"Infect-Views: 4 Fragen an die Infektiologin Susann Kummer"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Virologin aus Berlin im Kurzinterview<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/infectnet.org\/en\/web\/mitglied.php\/?id=128\">Dr <strong>Susann Kummer<\/strong><\/a> leitet die Arbeitsgruppe <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/EN\/Content\/Institute\/DepartmentsUnits\/CenterBioSafety\/zbs5\/RiskGroup_4_stability_persistence.html\">Stabilit\u00e4t und Persistenz von Risikogruppe 4 Viren am Robert Koch-Institut<\/a>. Welche menschlichen Begegnungen Sie zur Forschung an hochpathogenen Viren im Hochsicherheitslabor gebracht haben erfahren Sie im Infect-Net-Kurzinterview.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie bist Du dahin gekommen, wo Du heute bist?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Susann Kummer:<\/strong> Ich denke, es war eine Verkettung von Zuf\u00e4llen und das mir von meinen wundervollen Eltern verliehene Selbstbewusstsein, meinen Weg zu w\u00e4hlen. Ich denke, es sind die menschlichen Begegnungen, die uns dorthin bringen, wo wir sind: In der Schule hatte ich eine unglaublich engagierte Tutorin im Bio-Leistungskurs, die mich stark beeinflusst hat. Durch einen Besuch im Gl\u00e4sernen Labor in Dresden hat sie mein Interesse f\u00fcr die Molekularbiologie geweckt. W\u00e4hrend meines Hauptstudiums in W\u00fcrzburg, hat mich wiederum der Mentor im Grundpraktikum zur experimentellen Virologie beeindruckt, sodass ich beschloss, meine Diplomarbeit nicht in der Neurobiologie, sondern am Virologischen Institut zu absolvieren. Damit war ich in der Virologie gelandet. \u00c4hnlich verhielt es sich mit meiner Entscheidung, in der akademischen Forschung zu bleiben: Mein Doktorvater ist ein begnadeter Wissenschaftler, den ich f\u00fcr seine ehrliche und offene Art sehr sch\u00e4tze.\u00a0 Und meine heutige Position als Projektgruppenleiterin verdanke ich einem aufgeschlossenen und f\u00f6rdernden Fachgebietsleiter am RKI, welcher mir die Chance gibt, meinem Forschungsinteresse mit einer kleinen Gruppe von ebenso Begeisterten nachzugehen. Zugegebenerma\u00dfen, war es nie mein Ziel, im Hochsicherheitslabor zu arbeiten, aber ich bin stolz darauf, wo ich bin und dass wir mit unserem Engagement dazu beitragen, hochpathogene Viren besser zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/admin.infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Zitat-Susann-Kummer-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2380\" srcset=\"https:\/\/infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Zitat-Susann-Kummer-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Zitat-Susann-Kummer-300x169.jpg 300w, https:\/\/infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Zitat-Susann-Kummer-768x432.jpg 768w, https:\/\/infectnet.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Zitat-Susann-Kummer.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was ist Dein Hauptforschungsgebiet?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>SK:<\/strong> Tiermodelle haben in der Vergangenheit sicher einen gro\u00dfen Beitrag in der medizinischen Forschung geleistet, jedoch sto\u00dfen wir in der Nutzung der Ergebnisse aus tierexperimentellen Studien oft an die Grenzen der \u00dcbertragbarkeit auf den Menschen und m\u00fcssen die Sinnhaftigkeit hinterfragen. Mich fasziniert daher die M\u00f6glichkeit, in einem k\u00fcnstlichen System ein humanes Modell zu schaffen, das es uns erlaubt, ohne Tierversuche Krankheiten zu erforschen und Therapieans\u00e4tze zu entwickeln. Bereits w\u00e4hrend meiner Postdoc-Zeit am Uniklinikum Heidelberg begann ich in Zusammenarbeit mit dem DKFZ, humane Lungenorganoidmodelle f\u00fcr die Infektionsforschung, insbesondere f\u00fcr Influenza-A-Viren, einzusetzen. Die SARS-CoV-2-Pandemie hat diesem Forschungszweig einen besonderen Schub gegeben, da bisher g\u00e4ngige <em>in vitro<\/em> and <em>in vivo<\/em> Modelle bei der Anzucht dieser Viren initial versagten. Dieser Forschungsansatz ist in Hinblick auf hochpathogene Viren von besonderer Bedeutung: Zum Beispiel gibt es f\u00fcr die Erreger des oftmals t\u00f6dlich verlaufenden h\u00e4morrhagischen Fiebers, die Ebolaviren, kein Tiermodell. Dies erschwert die Untersuchung des Pathomechanismus und damit die Entwicklung von Therapeutika enorm. Mit unserem Ansatz bieten wir die Chance, bestimmte molekulare Prozesse in einem physiologisch relevanten Kontext zu untersuchen. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Und was haben wir alle davon?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>SK:<\/strong> Unsere innovativen, organoidbasierten Infektionsmodelle erm\u00f6glichen eine physiologisch relevante und gezieltere Charakterisierung sowohl von bekannten als auch von neuartigen humanpathogenen Erregern. Unsere Forschung kann die Risikobewertung sogenannter emergierender, also neu auftretender Pathogene im Fall von Ausbruchsgeschehen unterst\u00fctzen und tr\u00e4gt dazu bei, antivirale Interventionen zu entwickeln und zu testen. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie vereinbarst Du das mit Deiner Freizeit?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>SK: <\/strong>Das frage ich mich manchmal selbst \u2013 aber es klappt (<em>lacht<\/em>). Es klingt abgedroschen, aber f\u00fcr mich funktioniert das nur durch Teamwork \u2013 privat und beruflich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Robert Koch-Institut verfolgt eine sehr familienfreundliche Personalpolitik, die es erm\u00f6glicht, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren. Besonders das Arbeiten im Home-Office entlastet zeitlich und schafft Raum f\u00fcr das Familienleben. Zudem kann ich mich absolut auf unsere Forscher:innengruppe und den technischen Support verlassen. Das ist einfach toll!<\/p>\n\n\n\n<p>Meine pers\u00f6nliche Freizeit ist eher knapp bemessen: beim Body Combat kann ich mich k\u00f6rperlich auspowern und Stress abbauen. Abschalten in der Freizeit ist f\u00fcr mich zum Aufladen der Batterien essentiell, aber es f\u00e4llt mir genauso schwer wie vielen anderen auch \u2013 besonders, wenn Deadlines dr\u00fccken und das Manuskript endlich fertig werden muss. Vielleicht ist es daher gut, dass es jemanden gibt, der bedingungslos Aufmerksamkeit einfordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir leben in einer wundersch\u00f6nen Gegend zwischen W\u00e4ldern und Seen im Berliner Umland. Hier sind wir oft mit den Rennr\u00e4dern unterwegs. Mein Mann zieht den Kinderanh\u00e4nger, und wir suchen uns Ziele, bei denen unser Kleiner ebenfalls auf seine Kosten kommt \u2013 sei es ein aufregender Waldspielplatz oder ein sch\u00f6ner Tierpark. Oft treffen wir Freunde mit Kindern; das hat sich irgendwie eingespielt. Wir sind an den Wochenenden viel unterwegs und reisen sehr gern \u2013 auch mit Kind! Das hat sich nicht ge\u00e4ndert.&nbsp; Leider wohnen meine Eltern zu weit weg, um uns regelm\u00e4\u00dfig unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen, aber im Notfall k\u00f6nnen wir auf sie z\u00e4hlen. Nach dem Mutterschutz war ich direkt wieder voll ins Berufsleben eingestiegen, was nur dank einer gro\u00dfartigen Tagesmutter, die zu uns nach Hause kam, m\u00f6glich war. Trotz dieser Unterst\u00fctzung zehrten besonders der Schlafmangel und das st\u00e4ndige Gef\u00fchl, nie genug f\u00fcr mein Kind da zu sein, an meinen Nerven. Manchmal frage ich mich, wie wir das \u00fcberhaupt zusammen geschafft haben. Ich habe das unsch\u00e4tzbare Gl\u00fcck, dass die Liebe meines Lebens an meiner Seite steht \u2013 der Fels in meiner Lebensbrandung. Meiner Leidenschaft zur Forschung nachgehen zu d\u00fcrfen und gleichzeitig eine Familie zu managen, ist in der Tat das Schwerste und Sch\u00f6nste gleichzeitig. Ich m\u00f6chte keinen Teil meines Lebens missen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Das Interview f\u00fchrte <a href=\"https:\/\/infectnet.org\/en\/web\/mitglied.php\/?id=67\">Prof Dr <strong>Ursula Rescher<\/strong><\/a> von der Universit\u00e4t M\u00fcnster. In der Serie Infect-Views stellen sie und Prof. Dr. Irit Nachtigall einige Expertinnen aus unserem Netzwerk im Kurzinterview vor.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Virologin aus Berlin im Kurzinterview Dr. Susann Kummer leitet die Arbeitsgruppe Stabilit\u00e4t und Persistenz von Risikogruppe 4 Viren am Robert Koch-Institut. 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